Stadtimkerei finger 2011 / Why we fly | Why we die
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Why we fly | Why we die

Auf dem Kunstfort, einem Befestigungswerk des ehemaligen Verteidigungsrings um Amsterdam, hat die Stadtimkerei im Frühjahr 2011 in den Außenanlagen einen neuen Bienenstand eröffnet. Unter der �berschrift Why we die / Why we fly starten die Bienen durch zwei Fluglöchern in einer Plakatwand zu ihren Sammelflügen. Die zwei dazugehörigen Bienenstöcke wurden hinter der Plakatwand aufgestellt.

Flugloch in der Plakatwand / Photo Thomas Lenden

Eine thematische Ausstellung über das Bienensterben in den Bunkerkassematten ergänzte den Bienenstand. In einem Einkaufswagen aus dem benachbarten Supermarkt lag eine Auswahl von Lebensmitteln, die alle von der Bestäubung durch Bienen profitieren.
Dass das Wachstum und der Ertrag der Apfel,- Birnen,- oder Kirschenernte in einem direkten Verhältnis zur Bienenbestäubung stehen ist bekannt. Aber haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, dass auch der Geschmack der Milch und des Fleisches von den Bienen abhängt? Mit der aufgenommenen Nahrung steht und fällt die Qualität des Fleisches. Eine Wiese mit einer großen Artenvielfalt unterschiedlichster Blumen schmeckt jeder Kuh besser, als jeden Tag nur Löwenzahn. Aber die Vielfalt der Wiesenblumen und Kräuter wiederum, steht in einem direkten Verhältnis zu der Bestäubungsleistung der Bienen. Um die grünen Wiesen neben den holländischen Tulpenfeldern ( Tulpen sind leider keine Nektarspender) etwas bunter und vielfältiger zu gestalten, durfte sich jeder Besucher aus der Ausstellung ein Päckchen bienenfreundlicher Saatmischung mitnehmen, um diese an dem Ort seiner Wünsch auszusäen.
Kurator: Holger Nikisch

→ www.kunstfort.nl

Bienenstand vor dem Kunstfort / Photo Thomas Lenden

Why we die!
Text aus der Ausstellung

Oh je ! Unsere Brüder und Schwestern aus dem fernen Osten haben vor über 20 Jahren die Varroamilbe in unsere Bienenkörbe eingeschleppt. Am Anfang stechen die kleinen Vampiere besonders gerne unsere Drohnenbrut an, um aus den Maden das Bienenblut zu saugen. Gut genährt vermehren sich die Milben in Windeseile.
Aus einzelnen Milben werden nach wenigen Wochen rasch Tausende, die auf unseren Körpern sitzen und Löcher in unsere Chitinpanzer bohren. Ja, das tut weh - aber viel schlimmer ist, dass wir durch die vielen Verletzungen geschwächt sind und uns an gefährlichen Viren, Bakterien und Pilzen anstecken. So werden wir krank und immer kränker bis wir alle unseren Bienenstock verlassen um in der freien Natur zu sterben. Kommt der Imker dann zu Besuch steht er vor einem leeren Bienenstock.
Kommt der Imker aber nicht zu spät kann er uns noch helfen. Es stinkt uns zwar jeden Herbst gewaltig, wenn der Imker mit der scharfen Ameisensäure anrückt und unseren Bienenstock eindampft - doch den Milben wird davon noch viel schwindliger, als uns. Die Varroamilben werden von der Säure getötet und fallen von unseren Körpern ab. Ja, ohne imkerliche Betreuung könnten wir nicht mehr überleben und das inzwischen fast weltweit.
Jetzt kennt ihr den Grund warum wir Honigbienen in der freien Wildbahn nicht mehr überleben können und warum so viele unserer Brüder und Schwestern Jahr für Jahr sterben müssen.

Ausstellungsansicht mit Einkaufswagen / Photo Thomas Lenden

Why we fly!
Text aus der Ausstellung

Lässt uns die Milbe in Ruhe dann legt unsere Königin im Frühjahr ein Ei nach dem anderen. Wir Arbeiterinnen kümmern uns um die Brut und füttern sie mit Blütenpollen. Um den Pollen zu sammeln fliegen wir von Blüte zu Blüte bis genug Blütenstaub an den feinen Bürstchen unserer Hinterbeinen hängen geblieben ist und wir wieder in unseren Bienenstock zurück fliegen können. Beim Sammeln befruchten wir aber auch die Obstbäume, die durch unsere Arbeit um ein vielfaches mehr Früchte tragen.
Ohne dafür auch nur einen Finger krumm zu machen verdient die landwirtschaftliche Industrie weltweit Milliarden von Euro an uns. Würdet ihr unsere Arbeit gerecht bezahlen, dann müssten wir für ein Glas Honig zwischen 50 und 100 Euro bekommen.
Und dann sammeln wir natürlich auch noch süßen Nektar den wir in unseren Mägen und in unserem Bienenstock zu Honig weiter verarbeiten. Einen Großteil unseres Honigs brauchen wir um im Winter zu heizen. Wie schön wäre es wenn der Mensch uns einmal in Ruhe lassen würde und uns nicht im Sommer einfach den mühsam gesammelten Honig wieder stehlen würde. Zuckerwasser - das ist der billige Lohn für unseren Honig. Und da zu dieser Jahreszeit für uns fast kein Nektar mehr zu finden ist bleibt uns nur das billige Zuckerwasser wieder zu Zuckerhonig zu verarbeiten - denn mit irgendetwas müssen wir ja im Winter heizen.

Wandgestaltung